Eskimorolle

Die sogenannte Eskimorolle – oder politisch korrekt, Kajak- oder Kenterrolle – bezeichnet das Wiederaufrichten des umgedrehten Kajaks durch den Paddler selbst. Die Rolle ist eine wichtige Fähigkeit für’s Kanupolospielen (der Spieler im Ballbesitz darf schließlich umgeschubst werden), die man recht schnell erlernen kann.

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Wir bieten dieses Jahr sowohl einen Hallenbadkurs (4x2h) im Frühjahr, mehrere Grundkurse (3×1,5h) auf dem Neckar im Frühsommer als auch einen Intensivkurs (ganztägig) im Sommer auf einem See an (siehe Kurse). Außerdem bringen wir sie gerne allen Interessierten in einem individuellen Programm bei. Dies ist entweder im Winter im Dossenheimer Hallenbad oder im Sommer im Neckar im Rahmen des regulären Trainings, an einem warmen Wochenende nach Absprache (vorzugsweise gegen Eis oder Bier) oder während unseres Trainings-Wochenendes möglich (siehe Paddelzeiten)


Inhalt: Vorkenntnisse: Schwimmen, Hüftknick, Stütze; Rettungen: assistierte Rolle/T-Rescue, Hand of God; Rollen: Handrolle, Handrolle mit Ball, Paddelrolle, verschiedene Paddelrollen, Paddelrolle mit Ball; Sonstiges: Schubsen, Tipps bei Problemen.

Das Schwimmen auf dem Spielfeld ist kein Problem; ist der Schwimmer in Verletzungsgefahr, wird das Spiel pausiert – ansonsten wird er einfach ignoriert, bis er mitsamt seiner Ausrüstung hinter seinem Tor gelandet ist. Dies dauert meist eine Weile, in der die Mannschaft in Unterzahl spielen muss. Daher sollte man zumindest auf Turnieren das Schwimmen vermeiden…

Grundlage für die Eskimorolle ist der Hüftknick (Video),  den man sich von der Bewegung her etwa wie Hula auf einer Seite vorstellen kann. Diese Bewegung wird durch die Oberschenkel/Knie auf das Boot übertragen, weswegen eine sichere Sitzposition mit nach außen gedrückten Knien essentiell ist. Den Hüftknick kann man wunderbar jedes Mal beim Aussteigen üben: am Steg festhalten und das Boot nur mit der Hüfte kippeln 😉

Oft kann man durch eine Stütze verhindern, überhaupt in die Verlegenheit zum Rollen zu kommen: Das Paddelblatt wird so gedreht, dass es parallel zur Wasseroberfläche liegt und gegen das Wasser gedrückt oder auf der Oberfläche 8-förmig hin und her bewegt, während das Boot mit einem Hüftknick wieder aufgerichtet wird. Je nach Paddelhaltung wird nach hoher (high brace auf Schulterhöhe) und niedriger (low brace auf Ellbogenhöhe) Stütze unterschieden; die hohe Stütze wird oft als belastender für die Schulter bewertet.

Für Anfänger und die Teilnahme an unserem Kanupolo-Training reicht die assistierte Rolle/T-Rescue (Video) völlig aus. Dies bezeichnet das Festhalten an einer fremden Bootsspitze („i“ vom T) und das gleichzeitige Drehen des Kajaks durch den umgedrehten Paddler mittels des Hüftknicks. Der universelle Hilferuf nach einer assistierten Rolle ist das mehrmalige laute Klopfen an die eigene Bootsseite – sofort eilen alle anderen Kajaks herbei, sodass man eine Spitze ertasten und den Hüftknick durchführen kann. Kanupolospieler sind ausgesprochen hilfreich – wenn sich ein Spieler der anderen Mannschaft an deinem Boot abstützt, bekommst du einen Freiwurf 😉

Falls der zu rettende Paddler den Hüftknick nicht beherrscht oder die Zeit drängt, wird stattdessen meist die Hand of God (Video) angewendet, d.h. sich parallel zum Boot gestellt, darüber in den Süllrand gegriffen und das Boot zu sich her umgedreht. Dies ist im Kanupolo nur sehr selten zu beobachten, in anderen Disziplinen aber hilfreich.

Die Eskimorolle gibt es übrigens gar nicht. Es gibt verschiedene Rollen: bei den Inuit 35 (Video), im Kanupolo reichen selbst auf hohem Niveau drei (puh). Am wichtigsten für’s Kanupolo ist die Rolle ohne alles – die sogannte Handrolle – da man meist in dem Moment geschubst wird, in dem man den Ball aufnimmt oder wirft und somit weder den Ball sicher in der Hand noch das Paddel sicher hält. Die Handrolle mit Ball und eine Paddelrolle sind die nächsten Schritte.

Die Handrolle (Video) ist für die viele die intuitivste Art, zu rollen und zudem im schmalen und kantenlosen Kanupoloboot vergleichsweise einfach. Die Handrolle baut direkt auf der assistierten Rolle auf: die Hand stützt sich nun nicht auf einer Bootsspitze ab, sondern klatscht mit Schwung in einer „Scheibenwischer-Bewegung“ über den Kopf hinweg auf die Wasseroberfläche, während der Körper nach hinten auf das Boot gelehnt bleibt. Der sichere Hüftknick im richtigen Moment ist hier das A und O, ebenso, dass der Kopf bis zuletzt im Wasser bleibt und erst, wenn das Boot vollständig umgedreht ist, aufs Deck geschoben wird.

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Die Handrolle mit Ball (Video) baut wiederum auf der Handrolle auf. Der Ball wird unter den Arm der nicht führenden Hand geklemmt (die nun nicht mehr unterstützend wirken kann, sodass der Hüftknick wirklich gut sitzen muss). Zu beachten ist, dass auch der Ballbesitz unter Wasser zu den erlaubten 5 Sekunden dazugezählt wird.

Die Paddelrolle (Video) ist deutlich unintuitiver (aber mit Muskelmasse physisch einfacher). Es gibt verschiene Arten, das Paddel zu halten, die es erlauben, unterschiedlich viel Kraft statt in den Hüftknick in die Arme und Schultern zu investieren – wir empfehlen es nicht, mit Kraft statt dem Hüftknick zu rollen (hallo Schulterzerrung). Da es in manchen Situation (z.B. jederzeit auf Wildwasser) äußerst unklug ist, das Paddel loszulassen, ist eine Paddelrolle eine sehr nützliche Fähigkeit, die jeder Paddler früher oder später erlernen sollte.

Die bekanntesten Paddelrollen sind die Bogenschlagrolle (sweep), bei der das Paddel während der Rolle einen Bogen über die Wasseroberfläche zeichnet; die Hangrolle (C to C), bei der das Paddel 90° zum Boot gedreht ausgerichtet und dann unten gedrückt wird; die Wildwasserrolle (forward finishing), bei der das Gesicht dem Boot zugewandt ist; die Rodeorolle (back deck), die einer lässigen Liegestütze ähnelt; und die lange Rolle/Seekajakrolle (extended), bei der der Hebel durch Umgreifen des Paddels verlängert wird. Je nachdem, wer gefragt wird, werden unterschiedliche Paddelrollen erklärt; individuelle Mischformen aus Bogenschlag-, Hang- und Wildwasserrolle sind weit verbreitet und sinnvoll (vgl. pressure roll, d.h. Rolle „ohne“ Ausrichten).

Bei der Paddelrolle mit Ball wird der Ball, ähnlich zur Handrolle mit Ball, unter den nicht führenden Arm (Chickenwing) geklemmt, während das Paddel mit beiden Händen festgehalten wird. Meist hat man beim Kanupolo jedoch gar nicht die Wahl, sondern hat in dem Moment, in dem man geschubst wird, sowieso nur Paddel oder Ball wirklich im Griff (siehe Foto).

Zum Thema Schubsen: Geschubst werden darf nur am Oberarm auf Höhe des T-Shirt-Ärmels und darunter (aber nicht am Wurfarm), wenn der Geschubste im alleinigen Ballbesitz ist und nicht durch das Schubsen in Verletzungsgefahr gerät (also z.B. nicht auf andere Boote oder Schwimmleinen). Im alleinigen Ballbesitz ist man, wenn man den Ball in einer Hand oder auf dem Paddel hält oder er in einem 1m Radius um den Körper treibt und man ihn aufnehmen könnte (aber nicht, wenn der Ball zwischen zwei Spielern treibt oder fliegt). Wer nicht rollen kann, kann das der gegnerischen Mannschaft vor dem Spiel sagen, dann wird Rücksicht genommen 😉


Tipps bei häufigen Problemen:

  • Hüftknick üben, üben, üben! Am besten auf der Bootsspitze eines Partners (assistierte Rolle, s.o.), der dir sagen kann, ob du endlich wenig Druck auf ihn ausübst 😉
  • Den Kopf immer als letztes aus dem Wasser nehmen! (Boot – Köper – Kopf)
  • Das Wechseln von Seiten, Rollen und Trainern vermeiden, bis eine Rolle sitzt!
  • Sich die Rolle bildlich vorstellen (siehe z.B. diese Seite für die Bogenschlagrolle).

Vor allem hilft es, sich an einem warmen Sommertag oder im Winter im Hallenbad von einem erfahrenen Paddler betreuen zu lassen. Schreibt einfach eine Email und wir machen etwas aus! Falls du eine Schwimmbrille besitzt, bring sie mit. Ansonsten brauchst du außer angemessener Kleidung und einem Handtuch nichts mitbringen.

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